Texte


„…In den Bildern von Angela Hildebrandt wird die Grenze zwischen Stofflichem und Immateriellen, zwischen Sein und Schein durchlässig, es entsteht der Eindruck eines Pendelns, eines Schwankens zwischen sich erschließen und sich entziehen, zwischen Greifbarkeit und Unverfügbarkeit. Und obwohl es sich hier nicht um optische Täuschungen handeln kann, entzieht sich auch das hervorstechendste und essentiellste Element der Bilder, nämlich die Farbe, einer eindeutigen Festlegung.

Man erkennt: nichts ist absolut, nichts unumstößlich. So können diese auf dem ersten Blick harmlos erscheinenden Werke, denjenigen, der sich darauf einlässt, zu durchaus existentiellen, vielleicht auch schmerzhaften Tatsachen führen…“

Florian Stegmeier, Kurator Städtische Galerie Kirchheim/Teck (Einführung zu Bezirke der Unverfügbarkeit – Malerei, KunstRaum Hindenburgstraße, Laichingen 2005)


„… für die ausstellung einigten sie sich auf ein einheitliches bildformat in anlehnung an das menschliche mass. die hochformatigen bildtafeln sind gleich gross. einzig eine geringe, kaum sichtbare, massdifferenz markiert – einer signatur gleich – die zugehörigkeit der tafeln zu der werkgruppe von angela hildebrandt.
in der anordnung der werke in dem raum werden nähe und distanz erprobt. die bildtafeln sind so aufgehängt, dass sie sich sowohl mit denen des anderen auf der gegenüberligenden wand als auch mit den direkt daneben hängenden begegnen. so können sie ohne ablenkung langsam ihre wirkung entfalten. aber dennoch wagt man auch die nähe, hängt an einer wand die exponate direkt nebeneinander auf. als beobachter ist man gespannt, wartet ab. was wird wohl als nächstes passieren? wir dürfen beobachten, was gerade erst beginnt. beim eintreten in diesen raum meint man, den stillen dialog der bilder mitten im satz für einen kurzen moment zu unterbrechen.“

Michael Maile, Kurator Ruoff-Stiftung Nürtingen (Einführung zu beziehungsweise mit Harald Huss – Schauraum Kunstverein Nürtingen, 2006)


„(…) Für die Kirchen als auch für die Kunstwerke wichtig ist die Intensivierung der Aufmerksamkeit der Besucherin/des Besuchers, wenn er/sie die Eingriffe der Künstlerinnen in den Raum wahrnimmt.
Das gilt besonders für die kaum in Erscheinung tretende, dennoch stark wahrnehmbare Arbeit von Angela Hildebrandt, deren Fäden „zwischen Kopf und Himmel“ die Eintretenden gleich am Eingang das Fühlen lehrt. Da ist ein geordnetes Gespinst aus Nylonfäden, durch das hindurch muss, wer wie sonst den geraden Weg in die Kirche nehmen will, dem sie/er aber auch ausweichen kann, um nicht berührt zu werden oder zu berühren. Diese Aufmerksamkeit des ersten Schritts belebt den dämmrigen Raum, als ob die Architektur zu schwingen oder zu atmen beginnt. Die Begegnung mit dem wertlosen Material in der geordneten Fassung mit chaotischem Potential gibt dem festgefügten Kirchenhaus eine neue Erfahrungsebene. (…)“

Barbara Heuss-Czisch, Kunsthistorikerin (Eva Maria Magdalena – Künstlerinnen zu Religion und Weiblichkeit, 18 Projekte in sieben evangelischen und vier katholischen Kirchen sowie zwei muslimischen Gebetsräume in Stuttgart 2007)


(…) Wie unterschiedlich kann ich die Begegnung mit jeder einzelnen der skulpturalen Gestalten hier von Angela Hildebrandt erleben? (…) Ja, bin ich ganz wach, dann merke ich auch, dass es nicht nur Leinwände mit Farbe darauf sind, die an die Wand gehängt wurden, sondern die Gemälde sind selbst ästhetische Objekte mit einem spezifischen wahrnehmlichen „Gewicht“, das sie im Raum verortet. Darauf komme ich vielleicht, wenn ich bemerke, dass die abgeschnittene Ecke mich darauf hinweist, dass diese Leinwand nicht nur Träger eines Farbereignisses ist, sondern dieses Werk geradezu als Skulptur, als ein Wahrnehmungsereignis, das auch im Raum stattfindet, erlebt werden kann und damit die Farbe, die so gerne in der Fläche zu Hause ist, zu einem Erfahrungsereignis werden lässt.

(…) Diese beiden kleinen Wandtafeln von Angela Hildebrandt sind für diese Ausstellung ganz wunderbar komplementär gewählt. So zum Beispiel besonders im Spiel mit ihren Oberflächen. Zeigt das eine eine deutliche Anmutung von einer haptischen, materiellen, holzigen Oberfläche, die sich bei genauer Betrachtung als ein sehr gekonnter Farbauftrag entkleidet, bleibt bei dem zweiten nur für den ersten Augenblick eine homogene Farboberfläche für den Blick bestehen. Denn sehr schnell löst sich diese in einen sphärischen Farbnebel auf, der wie vor und hinter dem Bild, der eben noch klar bestimmbaren Oberfläche, ätherisch pulsiert. Das Bild hat aufgehört, ein Gegenstand zu sein und wird zu einem ereignishaften Farbphänomen, losgelöst von der erst so verlässlichen Dinghaftigkeit.

Jens Keuerleber (Einführung wir hier, Städtische Galerie Filderstadt, 2015)


Pfiffige Visionen und bedrückende Schicksale
Kunsträume – Fünf Arbeiten decken thematisch und gestalterisch ein breites Spektrum der örtlichen Szene ab. Von Wolfgang Berger

Im Esslinger Rathaus stehen die Telefone nicht mehr still, berichtet Barbara Antonin vom städtischen Kulturamt. Viele Bürger möchten wissen, was es mit dem neuen Bauschild am Bahnhof auf sich hat. „Hier baut die Stadt Esslingen ein Künstlerhaus“, steht darauf zu lesen.
Geht nun ein lang gehegter Traum der örtlichen Kunstszene in Erfüllung? Weit gefehlt. Denn der authentisch wirkende Hinweis auf den baldigen Spatenstich ist ein pfiffiges Projekt von Angela Hildebrandt. Neben sechs anderen Künstlern bestreitet sie die Sparte „Kunsträume“ beim Kulturfest „Stadt im Fluss“.
Hildebrandts in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Bolte entstandene Arbeit ist mehr als ein gelungener Scherz. Indem sie die seit langem existierende Vision eines Künstlerhauses konkretisiert, setzt sie den Leitgedanken der Triennale von der „unsichtbaren Stadt“ kongenial um. „Unsichtbares, weil nicht Vorhandenes als konsequenteste Form der Unsichtbarkeit wird charmant und vielleicht verwirrend sichtbar gemacht.“ Treffender als die in der „Stadt im Fluss“-Broschüre enthaltene könnte eine Beschreibung nicht sein.
Mit dem Bauschild und der Dokumentation im Rathaus lässt es Angela Hildebrandt, die in den 1990er Jahren an der Freien Kunstakademie Nürtingen studiert hat, nicht bewenden. Sie setzt noch einen drauf. Unter der auf dem Schild angegebenen Nummer des Infotelefons läuft ein Band mit der Stimme der Künstlerin, die den Anrufer mit auf die Reise in eine Welt aus Fiktion und Wirklichkeit nimmt.
(…)

STUTTGARTER ZEITUNG
Nr. 228 / Freitag, 2. Oktober 2015


„Jede Menge Besucher folgten dem Ruf des Zebras und besuchten die Vernissage zur Ausstellung.
Ein großes Dankeschön geht an Angela Hildebrandt, welche die Einführung zur Ausstellung
zu einem wunderbaren Erlebnis machte, mit Twitter, einer Leiter und @real Kik Erik ….I.
Die Künstlerinnen danken für die Salbung mit Smartphone und Calendula.“

Yvonne Rudisch, Stuttgart 2017